Pathfinder Liftoff

LISA Pathfinder gestartet

Die ESA-Mission LISA Pathfinder wurde am Morgen des 3.12.2015 an Bord einer Vega-Tr├Ągerrakete von Europas Raumflughafen Kourou in Franz├Âsisch-Guayana aus gestartet. Ihr Ziel ist die Demonstration von Technologien zur weltraumgest├╝tzten Beobachtung von Gravitationswellen.

Mit LISA Pathfinder wird die hochkomplexe Technologie getestet, die zur weltraumgest├╝tzten Erfassung von Gravitationswellen erforderlich ist. Herzst├╝ck der Mission sind zwei identische, jeweils 46 mm breite, als Testmasse fungierende W├╝rfel aus einer Gold-Platin-Legierung, die 38 cm voneinander entfernt sind und von s├Ąmtlichen externen und internen Einfl├╝ssen mit Ausnahme der Schwerkraft abgeschirmt werden m├╝ssen.

Mit LISA Pathfinder werden diese W├╝rfel in einen in dieser Perfektion im Weltraum bisher unerreichten gravitationellen freien Fall versetzt und ihre jeweiligen Positionen zueinander mit unglaublicher Pr├Ązision ├╝berwacht ÔÇô Grundlage f├╝r k├╝nftige Weltraumobservatorien f├╝r Gravitationswellen.

In den kommenden zwei Wochen wird es seine Bahnh├Âhe mit sechs kritischen Triebwerksz├╝ndungen immer weiter anheben. Die letzte Z├╝ndung dient der Einbringung in die Einsatzumlaufbahn um den Lagrange-Punkt L1 herum, einen stabilen virtuellen Punkt, der sich in etwa 1,5 Mio. km Entfernung von der Erde Richtung Sonne befindet. Diese Bahn wird LISA Pathfinder voraussichtlich 10 Wochen nach dem Start am Mitte Februar erreichen, um nach letzten Funktionstests Anfang M├Ąrz┬á ihre sechsmonatige wissenschaftliche Mission aufzunehmen.

LISA Pathfinder
LISA Pathfinder

Im Laufe des Flugs zu ihrem Einsatzorbit werden die beiden W├╝rfel im Inneren von den Haltemechanismen, die sie w├Ąhrend des Starts und Flugs sch├╝tzen, gel├Âst. Die letzten Mechanismen werden erst bei der Ankunft am Lagrange-Punkt L1 freigegeben, wonach die beiden K├Ârper nicht mehr mechanisch mit dem sie umgebenden Raumfahrzeug in Ber├╝hrung kommen werden. Mit einem komplexen System von Laserstrahlen, die von den beiden W├╝rfeln reflektiert werden, kann dann gemessen werden, wie perfekt die beiden in den freien Fall versetzt wurden, und zwar auf ein Milliardstel Millimeter genau ÔÇô eine im Weltraum bisher unerreichte Pr├Ązision!

Zentraler Bestandteil des Experiments ist auch das Raumfahrzeug selbst. Mit winzigen, etwa zehnmal pro Sekunde erfolgenden Triebwerkssch├╝ben wird es seine Position pr├Ązisieren und so eine Ber├╝hrung mit den beiden W├╝rfeln verhindern, die von jeglichen Fremdeinfl├╝ssen abgeschirmt werden m├╝ssen, um einzig und allein der Wirkung der Schwerkraft zu unterliegen.

Wenn LISA Pathfinder diese unglaublich pr├Ązisen Messungen und Man├Âver durchf├╝hren kann, er├Âffnen sich neue Perspektiven f├╝r den Bau eines k├╝nftigen Weltraumobservatoriums, das die kaum wahrnehmbaren, von Gravitationswellen verursachten Verzerrungen der Raumzeit erfassen soll, die sich voraussichtlich in Gr├Â├čenordnungen von 10 Milliardstel Millimeter, verteilt auf Entfernungen von mehreren Millionen Kilometern, bewegen werden.

LISA Pathfinder ist praktisch ein physikalisches Labor im Weltraum. ├ťber einen arbeitsintensiven Zeitraum von sechs Monaten hinweg werden die Missionswissenschaftler die jeden Tag auf der Erde eingehenden Missionsbetriebsdaten analysieren, um jeweils die f├╝r die Folgetage auf dem Raumfahrzeug durchzuf├╝hrenden Experimente zu planen.

LISA Pathfinder wurde von einem Industrieteam unter der Leitung des Hauptauftragnehmers Airbus Defence & Space Ltd. gebaut. Airbus Defence & Space GmbH stellte die Nutzlast des integrierten LISA-Technologiepakets zur Verf├╝gung, ein Konsortium europ├Ąischer Unternehmen und Forschungsinstitute dessen Untersysteme. Die NASA stellte Missionsbeitr├Ąge in Form von Zusatzger├Ąt und -software bereit, die der Validierung eines alternativen Technologieansatzes zur Vermeidung von Ber├╝hrungen zwischen den W├╝rfeln und dem umgebenden Raumfahrzeug dienen.