STS-97Space Shuttle Mission STS-97

Am 30. November 2000 starteten die fünf Astronauten Commander Brent Jett, Pilot Mike Bloomfield und die Missionsspezialisten Joe Tanner, Marc Garneau und Carlos Noriega mit der Endeavour zur 101. Shuttle-Mission, um die Energieproduktion der Internationalen Raumstation zu erhöhen. In der Zwischenzeit bereiteten sich Bill Shepherd, Jurij Gidzenko und Sergej Krikalev an Bord der Raumstation auf den Besuch vor, indem sie eine Progress-Versorgungskapsel vom Zarya-Modul abkoppelten und auf eine andere Umlaufbahn schickten, um Platz für die Endeavour zu machen.

Am Freitag, dem 1. Dezember, feuerten Jett und Bloomfield zwei Mal die Manöverdüsen, um die Umlaufbahn zu verändern. Garneau und Bloomfield testeten den Manipulatorarm für den bevorstehenden Einsatz.

Am Samstag, dem 2. Dezember, dockte die Endeavour problemlos an die Raumstation an. Dafür wurde die neue Andockschleuse benutzt, die von den STS-92-Astronauten einen Monat zuvor installiert worden war. Zwei Stunden später bediente der kanadische Astronaut Marc Garneau den in Kanada gebauten Manipulatorarm und hob das fünfzehn Meter lange und siebzehneinhalb Tonnen schwere P6-Sonnenkollektormodul aus dem Laderaum. Danach stiegen Tanner und Noriega in die Raumstation über, um Versorgungsgüter umzuladen. Die Luke war wegen eines leichten Druckunterschieds nur schwer zu öffnen.

Am Sonntag, dem 3. Dezember, wurde die Umladung weitergeführt, wobei die STS-97-Astronauten erstmals die Crew der Raumstation zu sehen bekamen, welche wegen der unterschiedlichen Zeitabläufe bei der gestrigen Umladung geschlafen hatten. Noch am selben Tag fand der erste siebeneinhalbstündige Weltraumspaziergang von Tanner und Noriega statt, bei dem sie das neue, schwere P6-Modul am Z1-Modul installierten, unterstützt von Garneau und Bloomfield am Manipulatorarm. Der linke Solarzellenflügel weigerte sich zunächst, sich zu entfalten. Ein erneutes Kommando zum Lösen der Stifte ergab das Resultat, dass alle Stifte gelöst seien, obwohl die Störung blieb. Es wurde beschlossen, das Problem näher zu untersuchen. Der rechte Flügel funktionierte bereits korrekt.

Am Montag, dem 4. Dezember, gelang schliesslich das Entfalten des linken Flügels, wobei dies sehr langsam und sorgfältig geschah und man auch wechselweise ein bisschen aus- und einfahren, also "schütteln" musste. Die Prozedur war um zwei Stunden verzögert worden, weil auch der rechte Flügel nur langsam ausgefahren war, wahrscheinlich wegen eines Kabels, das aus der Rolle gesprungen war. Es hatte trotzdem geklappt, und nun arbeitet das gesamte System ausgezeichnet.

Am Dienstag, dem 5. Dezember, unternahmen Tanner und Noriega ihren zweiten sechseinhalbstündigen Weltraumspaziergang. Zuerst untersuchten sie das Kabelsystem der Solarzellen wegen der Schwierigkeiten, die beim Entfalten aufgetreten waren. Danach installierten sie eine S-Band-Antenne auf der Spitze des Solarzellen-Towers, sowie einen Radiator an dessen Seite, der dazu beitragen soll, das Labormodul Destiny, das bei der nächsten Mission installiert werden soll, zu kühlen. Er wurde nach dem Spaziergang ausgefahren. Gridzenko und Krikalev begaben sich ins Unity-Modul, um elektrische Kabel für die Versorgung durch das neue Solarzellenmodul anzuschliessen.

Am Mittwoch, dem 6. Dezember, wurden Noriega und Tanner von einer zusätzlichen Aufgabe bei ihrem geplanten, dritten Ausstieg informiert, bei der sie die Spannung der Kabel der Solarzellen lockern sollen. Shepherd begab sich ins Unity-Modul, um zusätzliche Stromanschlüsse zu installieren. Ausserdem beschloss man, die Luke von Unity zu Zvezda wieder zu schliessen, wegen eines Fehlers im Luftaufbereitungssystem von Zvezda, das zu viel Feuchtigkeit erzeugte. Krikalev und Gidzenko arbeiteten bereits an einer Reparaturprozedur, daraufhin wurde eine neue Einheit installiert, die das Problem behob.

Am Donnerstag, dem 7. Dezember, wurde der Weltraumspaziergang wie geplant durchgeführt. Die Kabel wurden auftragsgemäss gelockert und korrekt justiert. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, platzierten Tanner und Noriega ein Bild eines Weihnachtsbaums oben auf den Solarzellentower, um Richtfest zu feiern. Darüberhinaus wurde ein Kamerakabel aussen an Unity verlegt. Dann wurde das FPP am P6-Modul installiert, das das elektrische Potenzial des Plasmas um die Station herum messen soll. Alle Aufgaben konnten so glatt ausgeführt werden, dass sie noch Zeit hatten, einen Sensor am Radiator zu installieren sowie ein paar kleine Antennen. Selbst für eine Kollektion von Fotos reichte es noch, bevor der Spaziergang nach über fünf Stunden beendet wurde.

Am Freitag, dem 8. Dezember, fand der erste Direktkontakt zwischen den beiden Crews statt, obwohl sie schon seit einer Woche zusammengedockt waren. Es wurden die Hände geschüttelt und eine kleine Zeremonie abgehalten. Danach verging der Tag in strukturellen Tests der Raumstation. Am Nachmittag fand noch eine Pressekonferenz mit Reportern im Johnson Space Center in Houston statt.

Am Samstag, dem 9. Dezember, verabschiedeten sich die Crews bereits wieder voneinander und schlossen die Luken zwischen der Raumstation und dem Shuttle. Am Mittag fand das Abdocken statt, danach flog die Endeavour während einer Stunde einmal um die Station herum. Später am Tag sprach der kanadische Astronaut Garneau mit John Manles, dem kanadischen Minister für äussere Angelegenheiten und internationalem Handel, Mac Evans, dem Präsidenten der kanadischen Weltraumbehörde, und mit Grundschülern im Wissenschaftsmuseum in Ottawa.

Der Sonntag des 10. Dezembers verging in Vorbereitungen für die bevorstehende Landung. Jett, Tanner und Noriega sprachen mit Reportern von Associated Press, Telemundo und Univision Networks.

Am Montag, dem 11. Dezember, landete die Endeavour im Dunkel des Abends etwa zur selben Zeit, als die Raumstation über Cape Canaveral hinwegflog. Mit der Mission STS-97 ist nun alles bereit für die Installation des nächsten Moduls, dem Labormodul Destiny, das schon in wenigen Wochen vom Space Shuttle Atlantis angeliefert werden soll.

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Ivo Cassani
SRV Webmaster