Space Shuttle Mission
STS-113
Am Samstag dem 23. November 2002 startete die Endeavour mit
Commander Jim Wetherbee, Pilot Paul Lockhart und den Missionsspezialisten Mike Lopez-Alegria
und John Herrington. An Bord waren auch Commander Ken Bowersox und die Flugingenieure Nikolaj
Budarin und Don Pettit, welche die aktuelle Besatzung der Raumstation ablösen sollten.
Nach einem zweitägigen Annäherungsmanöver, die mit Vorbereitungsarbeiten an Bord des Shuttles wie auch
an Bord der Raumstation vergingen, dockte die Endeavour am Montag, dem 25. November erfolgreich an. Mit
dem Austausch der Kontursitze in der angedockten Sojus-Kapsel, die für eine notfallmässige Rückkehr zur
Erde verfügbar ist, endete die Dienstzeit der Expedition 5-Besatzung an Bord der ISS.
Am Dienstag fand dann ein erster Weltraumspaziergang statt. Zuerst hob Commander Wetherbee das
vierzehn Tonnen schwere Backbord-Gerüst P1 mit dem Manipulatorarm aus dem Frachtraum der Endeavour
und reichte es an den Roboterarm der Station weiter, welcher von Expedition 6-Commander Bowersox und
Expedition 5-Wissenschaftsoffizier Peggy Whitson betrieben wurde. An Ort und Stelle platziert verriegelten
sich die Haltbolzen ferngesteuert, woraufhin Lopez-Alegria und Herrington auf ihrem Weltraumspaziergang
die nötigen elektrischen Verbindungen schliessen und etwaige Startsicherungen lösen konnten. Sie
installierten auch ein drahtloses Kamerasystem, damit die Bilder von Helmkameras auch ohne einen
vorhandenen Shuttle übertragen werden können. Mit diesem insgesamt bereits dritten Gerüstteil vergrösserte
sich die Station damit weiter ihrer Fertigstellung entgegen.
Der Mittwoch des 27. November verging mit Umlade- und Übergabearbeiten der alten und der neuen
ISS-Besatzung. Am Nachmittag ersetzten Bowersox und Whitson zwei Ventile und säuberten Ventilationsröhren
der Kohlendioxidfilter des Destiny-Labors von Schmutz. Später wurde gemeldet, dass die Arbeiten erfolgreich
waren, aber es wurde auch ein Leck in einer der Vakuum-Leitungen gefunden. Whitson und Bowersox gingen auf
die Suche, denn obwohl die Luft durch ein russisches System genügend gereinigt wird, muss die Anlage im
Destiny-Labor in der Lage sein, grössere Besatzungen zu versorgen. Die anderen Astronauten hatten
inzwischen Interviews mit verschiedenen Radio- und Fernsehstationen sowie Zeitungen, und Jay Leno
schickte Commander Wetherbee auf NBC Glückwünsche zu seinem fünfzigsten Geburtstag.
Am Donnerstag fand dann ein zweiter Weltraumspaziergang statt. Als Erstes mussten zwei
Ammoniak-Flüssigkeitsleitungen für das Kühlsystem zwischen P1 und dem S0-Zentralteil geschlossen werden.
Danach wurde eine Startsicherung gelöst und an einem geeigneten Platz verstaut. Nach dem ersten
Kamerasystem, das beim ersten Ausstieg auf dem Unity-Modul installiert worden, kam nun ein zweites
System auf das P1-Gerüst. Einer der beiden CETA-Transportwagen wurde zum anderen hinüber umplatziert,
um Platz für den Roboterarm der Station zu machen, damit dieser sich nun auf dem mobilen Transporter
bewegen kann. Zuletzt wurden Kabel des ersten Kamerasystems auf Unity angeschlossen.
Am Freitag wurden Geräte mit Wissenschaftsexperimenten zwischen der Endeavour und der Raumstation
ausgetauscht, und am Nachmittag wurde das Kommando über die Station offiziell an die neue Besatzung
übergeben. Whitson und Pettit untersuchten ein technisches Problem der Mikrogravitationsbox, die am
20. November ausgefallen war.
Der dritte und letzte Weltraumspaziergang fand am Samstag des 30. November statt und dauerte sieben
Stunden. Am Vormittag war der Mobile Transporter drei Meter von seiner beabsichtigten Zielposition
stecken geblieben. Herrington fand eine verstaute UHF-Antenne, in der sich das Versorgungskabel des
Mobilen Transporters auf seiner Fahrt verfangen hatte, und löste das Problem, woraufhin der Transporter
seine Fahrt abschliessen konnte. Wegen der Zeitverzögerung wurde darauf verzichtet, den Roboterarm wie
ursprünglich geplant auf den mobilen Transporter zu setzen und die Arbeiten stattdessen ohne den Arm
weiterzuführen. Es wurden insgesamt dreiunddreissig Positionskreisel an verschiedensten Stellen der
Aussenseite der Station angebracht.
Der Sonntag war ein verdienter Ruhetag mit nur leichten Arbeiten, inklusive einer weiteren Korrektur
der Umlaufbahn um etwa vier Kilometer. Die Zündung dauerte etwa fünfundvierzig Minuten.
Als sich die Endeavour am Montag des 2. Dezember, liess sie Bowersox, Budarin und Pettit an Bord der
ISS, nahm dafür Commander Valeri Korzun, Wissenschaftsoffizier Peggy Whitson und Flugingenieur Sergej
Treschev mit auf den Weg zur Erde. Kurz nach der Trennung wurden im Auftrag des DARPA zwei
Miniatursatelliten namens MEPSI ausgesetzt, die miteinander durch ein Kabel verbunden sind und den
Einsatz von Mikro- und Nanotechnologie demonstrieren sollen.
Im Verlauf der Woche verhinderte anhaltend schlechtes Wetter tagelang die Landung beim Kennedy Space
Center in Florida, die somit erst am Samstag des 7. Dezember stattfinden konnte, dafür aber ohne weitere
Schwierigkeiten ablief.
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Ivo
Cassani
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