STS-111Space Shuttle Mission STS-111

Am 5. Juni startete die Endeavor nach mehreren wetterbedingten Verschiebungen, um die Raumstation weiter auszubauen und ihr eine neue dreiköpfige Besatzung zu bringen. Kommandant der Endeavor war Ken Cockrell, Pilot war Paul Lockhart, die Missionsspezialisten bestanden aus Franklin Chang-Diaz und Philippe Perrin von der französischen Weltraumagentur. Die neue Besatzung der Raumstation bestand aus Commander Valery Korzun und den Flugingenieuren Peggy Whitson und Sergej Treschev.

Den zweiten Tag der Mission verbrachte die Besatzung während des Annäherungsmanövers an die Raumstation mit intensiven Tests der Ausrüstung und der Fracht im Laderaum sowie der Raumanzüge für die geplanten drei Weltraumausstiege. Dazu führten Cockrell und Chang-Diaz Interviews mit den spanischen TV-Stationen Univision und Telemundo und dem Präsidenten von Costa Rica, Abel Pacheco, sowie dem dortigen US-Botschafter John Danilovich. Chang-Diaz kommt aus Costa Rica und unternahm bereits seinen siebten Raumflug, was ihn auf dieselbe Rekordmarke von Jerry Ross bringt, der diesen Rekord bei der Mission STS-110 aufgestellt hat.

Am Freitag, dem 7. Juni, dockte die Endeavour an der ISS an, und keine zwei Stunden später konnten sich die Besatzungen begrüssen. Sofort wurde mit dem Umladen von Versorgungsgütern und Ausrüstung begonnen, und damit beendeten Onufrienko, Bursch und Walz ihren Aufenthalt auf der ISS, während Korzun, Whitson und Treschev ihre Plätze übernahmen. Danach wurden Systeme getestet, um die bevorstehenden Weltraumspaziergänge vorzubereiten. Später am Tag fiel ein Controller für ein Wasserverdunstungssystem aus, was aber wegen der zwei Ersatzcontroller keine Folgen hatte.

Früh am Samstag fiel einer der vier Stationskreisel zur Lagekontrolle der Raumstation wegen eines mechanischen Fehlers aus und wurde abgeschaltet. Da es zur Lagekontrolle mehrere Backup-Systeme gibt, bleibt dieser Vorfall ohne Konsequenzen. Später dann wurde das Leonardo-Modul, beladen mit fast drei Tonnen Fracht, mit dem Manipulatorarm aus dem Frachtraum der Endeavour gehoben und an die ISS angedockt. Chang-Diaz und Perrin bereiteten sich daraufhin auf ihren bevorstehenden Weltraumspaziergang vor.

Der Weltraumspaziergang am Sonntag dauerte über sieben Stunden.  Chang-Diaz und Perrin montierten zuerst ein Data and Power Grapple Fixture an der P6-Struktur. Dabei handelt es sich um einen Haltegriff für den Manipulatorarm mit Daten- und Energieversorgung. Sechs Mikrometeoritenschilde wurden vorübergehend am Verbindungsstück zwischen Unity und Zarya verstaut. Whitson und Korzun werden sie dann bei einem eigenen Ausstieg aus der Station einen Monat später montieren. Danach unternahm Chang-Diaz eine optische und fotografische Inspektion des ausgefallenen Stationskreisels auf dem Z1-Gerüst. Schliesslich wurden Hitzeschutzdecken vom Mobile Remote Servicer Base System entfernt. Der Manipulatorarm der Station hob es aus dem Frachtraum der Endeavour und positionierte es über den Punkt, wo es montiert werden soll, blieb dort geparkt, um es über Nacht an die Weltraumbedingungen anzupassen. Tags darauf wurde es dann auf dem mobilen Transporter befestigt, um als Haltepunkt für den Manipulatorarm der Station zu dienen, der daraufhin auf dem Hauptgerüst auf- und abfahren können wird.

Am Dienstag stiegen Chang-Diaz und Perrin erneut aus, um Strom- und Datenkabel endgültig mit dem Mobilen Transporter zu verbinden. Kommandos vom Boden stellten dann die Verbindungen her, und es wurde mit umfassenden Tests begonnen. Danach wurde ein zusätzlicher Haltegriff am Mobilen Transporter montiert, um andere Frachten auf dem Gerüst transportieren zu können. Zum Abschluss wurde noch eine TV-Kamera auf dem Transporter montiert. Inzwischen wurde die Entladung des Leonardo-Moduls abgeschlossen und die Beladung mit Gütern zum Rücktransport begonnen.

Der Mittwoch verging mit Umladearbeiten in Leonardo sowie Interviews mit Journalisten aus Amerika, Frankreich und Kanada. Tags darauf stiegen Chang-Diaz und Perrin ein weiteres Mal aus und ersetzten in einer siebenstündigen Operation ein fehlerhaftes "Handgelenk" des kanadischen Stations-Roboterarms, das im März kurz nach der Montage Probleme verursacht hat. Der Arm funktioniert seither fehlerfrei, allerdings misslang in der Nacht zum Freitag ein erster Versuch, den Roboterarm mit Strom aus dem Mobilen Transporter zu versorgen. Es handelt sich hierbei aber um ein nicht ernsthaftes Softwareproblem und wird behoben werden, bevor der Arm sich auf seine erste "Eisenbahnfahrt" begeben wird.

Das Leonardo-Modul wurde von der Raumstation getrennt und sicher wieder im Laderaum der Endeavour verstaut, und am Samstag Vormittag verabschiedeten sich die Besatzungen voneinander und schlossen die Luken. Die neue Besatzung der Station beobachtete die Endeavour bei ihrer Abtrennung und machte sich dann an ihre neue Arbeit. Die Besatzung der Endeavour genoss dafür zusammen mit der abgelösten Besatzung der Raumstation einen freien Tag.

Am Sonntag wurde die Endeavour für die geplante Landung vorbereitet und getestet, und es wurden Interviews mit verschiedenen TV-Stationen geführt. Regen und Gewitter verhinderten aber die geplante Landung am Montag und auch am Dienstag, und so landete die Endeavour erst am Mittwoch, und zwar in Edwards Air Force Base.

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Ivo Cassani
SRV Webmaster