STS-110Space Shuttle Mission STS-110

Am 8. April 2002 startete die Atlantis zur Mission STS-110. An Bord waren Commander Mike Bloomfield, Pilot Steve Frick, die Flugingenieurin Ellen Ochoa und die Weltraumspaziergänger Steve Smith, Rex Walheim, Jerry Ross und Lee Morin. Mit seinem nunmehr siebten Flug ins All stellte Ross damit einen neuen Rekord auf. Kein Mensch war so oft im Weltraum, auch russische Kosmonauten waren bis heute nicht öfter als fünf Mal im All.

Nach intensiven Vorberereitungen dockte die Atlantis am 10. April erfolgreich mit der Internationalen Raumstation ISS am Destiny-Modul an, zwei Stunden später wurden die Luken geöffnet zur Begrüssung mit der Besatzung der Station, Commander Jurj Onufrienko und den Flugingenieuren Carl Walz und Dan Bursch. Ochoa und Bursch kümmerten sich gleich um die Überprüfung von Canadarm 2, dem grossen Manipulatorarm der Station, dem die Hauptaufgabe für die Mission zufallen sollte. Smith und Walheim trafen Vorbereitungen für die Luftschleuse Quest für ihren bevorstehenden Weltraumspaziergang.

In weniger als vier Stunden vollzog Ellen Ochoa am Donnerstag, dem 11. April die heikle Prozedur, das 13.5 Tonnen schwere Gerüststück S0 aus der Ladebucht der Atlantis zu hieven und auf das Dach des Destiny-Moduls zu hieven, wo es mit einer Klammer befestigt wurde. S0 ist der erste Teil für das grosse Rückgrat der Station und enthält Navigationsgeräte, Computer, Kühlungs- und Stromversorgungssysteme, die nötig sind, um später zusätzliche Labormodule an die Station hinzufügen zu können. Bloomfield und Frick überwachten die Aktion mit den Kameras des Manipulatorarms des Shuttles. Nur Minuten nach der provisorischen Montage verliessen Walheim und Smith die Luftschleuse Quest, um S0 mit Destiny zu verbinden und Leitungen anzuschliessen. Es wurde auch ein Nabelschnur-System vom Gerüst zum mobilen Transporter montiert. Dieser Transporter ist der erste Eisenbahnwagen im Weltraum, denn er wird später die ganze Länge der Station hinauf- und hinunterfahren, um den Manipulatorarm für spätere Arbeiten an jede gewünschte Stelle bringen zu können.

Der Freitag, der 12. April verging mit dem Umladen von Experimentalgeräten und Versorgungsgütern in die Station, während das S0-Gerüst seine ersten Funktionstests bestand. Dazu gehörten die Navigationsgeräte und GPS-Antennen, die in Zukunft die automatische Ausrichtung der Station übernehmen sollen.

Am Samstag waren es dann die beiden Grossväter Ross und Morin, die auf ihrem Weltraumspaziergang die letzten beiden Streben für S0 befestigten, um den endgültig sicheren Halt zu gewährleisten. Zusätzlich mussten Klammern entfernt werden, die als Transportsicherung gedient hatten. Als Nächstes musste ein Reservegerät für den mobilen Transporter installiert werden. Ross versuchte einen Bolzen zu lösen, damit ein Mechanismus nötigenfalls die Nabelschnur durchtrennen konnte, falls sie sich während der Arbeit irgendwie verklemmen sollte. Der Bolzen erwies sich aber als störrisch und weigerte sich, sich aus seinem Sockel lösen zu lassen. Nachdem festgestellt worden war, dass der Kabelschneider in dieser Konfiguration nicht versehentlich ausgelöst werden kann, entschied die Flugkontrolle, nicht weiter Zeit zu verschwenden. Das System arbeitete einwandfrei, und mit dem Bolzen würde man sich bei einem späteren Ausstieg beschäftigen.

Am späten Abend dann erhöhte die Atlantis den Orbit der ISS um zwei Meilen.

Am Sonntag stiegen Smith und Walheim wieder für sechseinhalb Stunden aus, um den Roboterarm endgültig zu verkabeln und Haltebolzen zu lösen. Dafür musste eine Anzahl von Anschlüssen gewährleistet werden, damit der Arm in Zukunft von S0 aus mit Energie versorgt wird, statt von Destiny. Mit der Befestigung der beiden letzten Streben am Vortag war nun die Halteklammer nicht mehr nötig. Smith und Walheim lösten dann Klammern, um den mobilen Transporter zu entriegeln. Dieser Eisenbahnwagen, der 950 kg wiegt, soll am Montag getestet werden, indem er etwa zehn Meter weit auf dem S0-Gerüst hin- und herfahren wird, und das mit der Schneckengeschwindigkeit von etwa zwei Zentimetern/Sekunde. Der Wagen und ein noch zu installierendes, mobiles Basissystem wird es dem Roboterarm endgültig erlauben, sich zu verschiedenen Arbeitsplätzen auf dem sich erweiternden Gerüst zu bewegen. Das Mobile Base System wird die Plattform sein, auf dem sich Canadarm2 befestigen und hin- und herfahren wird.

Die einzige Arbeit, die heute nicht vollendet werden konnte, war die Montage einer vier Meter langen Leiter vom S0-Gerüst zur Luftschleuse Quest. Die letzten Tests des neu verkabelten Roboterarms dauerten länger als vorgesehen, und weil Candarm2 für die Montage der Leiter benötigt wird, wurde die Montage verschoben.

Später am Abend wurde die Umlaufbahn der ISS durch die Atlantis wieder zum zwei Meilen erhöht.

Es war Carl Walz, der am Montag Vormittag von einem Laptop aus das Kommando zum Einsatz des mobilen Transporters sendete. Es dauerte eine halbe Stunde, um ihn fünf Meter weit an einen Arbeitsplatz zu schicken. Dabei wurde festgestellt, dass die Schwerelosigkeit zu gelegentlichen, wahrscheinlich nur mikroskopischen Kontaktverlusten der Sensoren mit den magnetischen Positionsstreifen führte. Dadurch wurde ein automatisches Einklinken in den neuen Arbeitsplatz verhindert. Durch Handsteuerung konnte dies trotzdem erreicht werden, und das System arbeitet sonst einwandfrei. Später wurde der Transporter an einen zweiten Ort gefahren, wo er erneut manuell eingeklinkt werden musste. Danach fuhr er zurück an den Ursprungsort, um auf das Mobile Base System zu warten, das demnächst geliefert werden soll. Ingenieure sind der Ansicht, dass das Automatikproblem mit einer Softwareanpassung gelöst werden kann.

Ross und Morin stiegen am Dienstag erneut aus und installierten als Erstes die Leiter von Quest zum S0-Gerüst. Ross testete dann die Schalter an beiden Enden des Gerüsts in Vorbereitung der Montage weiterer Gerüstteile später in diesem Jahr. Danach wurden neu Flutlichter an Unity und Destiny befestigt. Danach wurde eine Arbeitsplattform für spätere Konstruktionsarbeiten an der Station montiert, elektrische Konverter und Unterbrecherschaltkreise installiert, ein Stück Isolierung um eine der vier Navigationsantennen von S0 angebracht und Stossdämpfer am neuen mobilen Transporter montiert. Der Bolzen des Kabelschneiders konnte wiederum nicht gelöst werden, er hat aber keinen Einfluss auf die Funktion des Transporters. Ein Gas-Analysegerät konnte nicht installiert werden, da es offenbar defekt war. Dieses Gerät hatte im Missionsplan aber keine Priorität.

Am Mittwoch, dem 17. April dockte die Atlantis von der Raumstation ab, der Donnerstag verging in Vorbereitungsarbeiten für die bevorstehende Landung im Kennedy Space Center, die am Freitag dann auch störungsfrei durchgeführt werden konnte.

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Ivo Cassani
SRV Webmaster