Space Shuttle Mission
STS-109
Am 1. März startete die Columbia
mit Commander Scott Altman, Pilot Duane Carey, Flugingenieur Nancy Currie
und den Missionsspezialisten John Grunsfeld, Rick Linnehan, Jim Newman und
Mike Massimino zur Mission STS-109, um das Weltraumteleskop Hubble
zu warten. Für den Pionier-Shuttle Columbia war es die erste
Mission seit Juli 1999, und in der Zeit hatten viele Systemerneuerungen und
-aufrüstungen stattgefunden.
Nach dem Start wurde eine
Leistungsverminderung in einem der beiden Freon-Kühlsysteme des Orbiters
registriert. Die Leistung war jedoch leicht höher als der vorgeschriebene
Minimalwert, und die Flugingenieure versuchten herauszufinden, ob man
trotzdem genug Vertrauen in das System haben durfte. Am nächsten Tag dann
bekamen die Astronauten die Erlaubnis, die Mission wie geplant
durchzuführen, und der Tag verging in Annäherungsmanövern an Hubble
und der Vorbereitung der Raumanzüge für die geplanten
Weltraumspaziergänge.
Am Sonntag, dem 3. März
manövrierte die Columbia bis auf sieben Meter an Hubble
heran, sodass Nancy Currie das Weltraumteleskop mit dem Roboterarm
ergreifen und sicher in den Laderaum des Orbiters platzieren konnte.
Innerhalb von fünf Minuten konnten die Elektromotoren dann die
Solarzellensegel von Hubble zusammenziehen.
Am 4. März fand ein
siebenstündiger Weltraumspaziergang statt, während dem Grunsfeld und
Linnehan den alten Steuerbord-Solarflügel von Hubble demontierten
und einen neuen der dritten Generation befestigten, zusammen mit seiner
Elektronikbox. Der alte Flügel wurde im Frachtraum der Columbia
verstaut, um ihn zurück zur Erde zu bringen, wo man die Auswirkungen
seiner neun Jahre im All untersuchen will. Die neuen Solarzellenflügel
sind ein Drittel kleiner als die alten, liefern aber 20% mehr Energie.
Aufgrund ihrer geringeren Grösse produzieren die Flügel auch weniger
atmosphärischen Widerstand, wodurch Hubble in Zukunft weniger rasch
an Höhe verlieren wird.
Während des
Weltraumspaziergangs konnten kein Telemetriesignale von Grunsfeld empfangen
werden, obwohl seine biomedizinischen Daten verfolgt werden konnten. Als
nach dem Wiedereinstieg die elektrischen Systeme des Anzugs neu gestartet
wurden, funktionierte die Telemetrie dann korrekt. Anscheinend hatte nur
ein Relais neu geschaltet werden müssen.
Am 5. März verbrachten
Jim Newman und Mike Massimino über siebeneinviertel Stunden im All. In
dieser Zeit entfernten sie den Backbord-Solarzellenflügel und
installierten den neuen mit seiner Elektronikbox. Danach wurde in Schacht 6
von Hubble eines der vier Reaction Wheel Assembly (RWA)
ausgewechselt. Dabei handelt es sich um ein Kreiselsteuerungssystem, um das
Weltraumteleskop in jede gewünschte Richtung drehen zu können. Erste
Tests des Space Telescope Operations Control Center in Greenbelt meldeten
die perfekte Funktion der neuen Installationen.
Gegen Ende des Ausstiegs
montierten Newman und Massimino eine Hitzeschutzdecke in Schacht 6,
Türstopperweiterungen in Schacht 5 und Fusshalterungen für den nächsten Ausstieg. Sie testeten auch zwei Bolzen an den hinteren Abdecktüren des
Teleskops. Diese Türen schützen die Near Infrared Camera, das Multi
Object Spectrometer (NICMOS) und das Space Telescope Imaging Spectrograph
(STIS). Es wurde entschieden, diese Bolzen zu ersetzen, damit die Türen
auch in Zukunft korrekt schliessen.
Am 6. März stiegen
Grunsfeld und Linnehan ein weiteres Mal für sechsdreiviertel Stunden aus,
wegen eines Wasserlecks in Grunsfelds Anzugs allerdings mit zweistündiger
Verspätung. Nachdem von Greenbelt aus die Stromkreise von Hubble
zum ersten Mal seit dem Start 1990 abgeschaltet worden waren, bauten sie
die Power Control Unit (PCU) aus. Die PCU ist das Herzstück des ganzen
Teleskops und schaltet die Energie zu allen Systemen, den
wissenschaftlichen Instrumenten und den Nickel-Hydrogen-Batterien. Die neue
PCU eliminiert nicht nur ein ständig wiederkehrendes Problem der alten
sondern ist auch in der Lage, mit den zusätzlichen 20% Leistung der neuen
Solarzelleflügel umzugehen. Wie bei allen Weltraumspaziergängen bediente
auch hier Nancy Currie den Roboterarm, um die Astronauten an alle Stellen
des Teleskops zu transportieren. Nach dem Wiedereinschalten des Teleskops
erwiesen sich alle Tests als erfolgreich.
Der vierte Ausstieg,
diesmal wieder von Newman und Massimino, begann am 7. März mit dem Ausbau
der Faint Object Camera, die durch die New Advanced Camera for
Surveys (ACS) ersetzt wurde, mit deren Hilfe Wissenschaftler in der Lage sein werden,
tiefer und mit grösserer Klarheit als je zuvor ins Universum zu sehen.
Danach installierte Massimino das Electronic Support Module für ein neues,
experimentelles Kühlsystem, mit dem die Near Infrared Camera und das Multi
Object Spectrometer (NICMOS) wieder zum Leben zu erweckt werden sollten. NICMOS war bei
der Servicemission 1997 eingebaut worden und arbeitet bei extrem niedrigen
Temperaturen. Zu diesem Zweck verfügte es über einen Block aus gefrorenem
Stickstoff, der aber früher verbraucht war als vorgesehen. Ingenieure
hoffen, dass das neue Neongas-Kühlsystem wieder für die nötigen,
niedrigen Temperaturen sorgen kann.
Am 8. März installierten
Grunsfeld und Linnehan das neue Kühlsystem und schlossen es an das
Electronic Support Module an, das am vorigen Tag eingebaut worden war. Zu
dem neuen System gehört auch ein Radiator, der an der Aussenseite von Hubble
angebracht wurde. Danach wurde der Frachtraum von Columbia für den
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bereit gemacht. Eine Stunde nach dem
Wiedereinstieg der beiden Astronauten erhöhte die Columbia ihre
Umlaufbahn auf den vorgesehenen Wert, um Hubble wieder auf seine
ursprüngliche Bahn zu bringen.
Am 9. März hob Nancy
Currie mit dem Roboterarm das Weltraumteleskop wieder aus dem Frachtraum
der Columbia und schickte es auf die Reise. Fünf
Weltraumspaziergänge mit einem Total von 35 Stunden und 55 Minuten stellen
bei dieser Mission einen neuen Rekord dar.
Der Sonntag des 10. März
war sozusagen ein freier Tag, der nach der intensiven Arbeit auch verdient
war. Die Astronauten führten ein Funkgespräch mit der Besatzung der
Internationalen Raumstation, sowie mit verschiedenen Radio- und
Fernsehstationen. Der Montag verging dann mit Vorbereitungen für die
bevorstehende Landung, wobei sich zeigte, dass eine der 38 Manöverdüsen
des Orbiters offenbar defekt war, was jedoch keinen Einfluss auf die
Manöver hatte.
Am Dienstag, dem 12. März
endete dann die Mission STS-109 nach 10 Tagen, 22 Stunden und 10 Minuten
mit einer perfekten Landung beim Kennedy Space Center und hinterlässt ein
besser-als-neues Weltraumteleskop.
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Ivo
Cassani
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