Space Shuttle Mission STS-106
Am 8. September 2000 startete die Atlantis um
7:45 und nahm Kurs auf die Internationale Raumstation. Zum Zeitpunkt des Starts befand
sich die 67 Tonnen schwere Station über Ungarn, südwestlich von Budapest. Die Besatzung,
bestehend aus Commander Terry Wilcutt, Pilot Scott Altman und den Missionsspezialisten Ed
Lu, Rick Mastracchio, Dan Burbank, Jurij Malenchenko und Boris Morukov, begann umgehend
damit, den Shuttle für den elftägigen Aufenthalt in der Umlaufbahn vorzubereiten.
Annähernd drei Tonnen Fracht waren aus dem Shuttle und der angedockten
Progress-Versorgungskapsel zu entladen, um die Station auf die Ankunft der ersten,
ständigen Besatzung im Oktober 2000 vorzubereiten.
Das Dockingmanöver fand in der Nacht vom 9. auf den 10. September
statt, exakt um 0:51 CDT und verlief genau nach Plan, obwohl einer der beiden Star
Trackers ausgefallen war, der normalerweise dazu dient, die genaue Sternposition
festzustellen. Die Missionsleitung hatte entschieden, das Manöver mit dem verbleibenden
Tracker durchzuführen, was völlig ausreichend war.
Ed Lu und Jurij Malenchenko unternahmen eine Raumspaziergang bei dem
sie einen zwei Meter langen Magnetometer an das russische Zvezda Servicemodul
montierten. Der Magnetometer wird als Navigationsinstrument oder Kompass funktionieren,
indem das Erdmagnetfeld gemessen wird, woraufhin Zvezdas Computer die
relative Position zur Erde berechnen werden. Diese Informationen werden dazu dienen, den
Treibstoffverbrauch der Positionsdüsen von Zvezda zu minimieren.
Zusätzlich zum Magnetometer wurden Elektrik- und TV-Kabel zwischen Zvezda
und dem Zarya Controlmodul verbunden. Insgesamt neun Kabel, von denen vier wichtige
Stromleitungen sind, die aktiv sein müssen, bevor die Mission STS-97 eintrifft, um die
amerikanischen Solarpanels anzubauen. Zwei weitere Kabel gehören zum internen
Videosystem, zwei weitere sind Datenkabel, um die Solarpanels von Zarya nun von Zvezda
aus bedienen zu können, und schliesslich ein Glasfaserkabel von Zarya zu Zvezda,
um Daten von russischen Raumanzügen übertragen zu können, sobald die ISS-Ausstiegsluke
am Unity-Verbindungsknoten angebaut ist. Bis es soweit ist, müssen
Raumspaziergänge von der ISS von Zvezda aus erfolgen.
Am Abend des 11. September wurde die Luke zur kürzlich vergrösserten
Raumstation geöffnet, und das Umladen der Fracht wurde begonnen. Es war das erste Mal
seit dem Start von Zvezda am 12. Juli in Baikonur, dass sich wieder Menschen im
Inneren der Station befanden. Insgesamt zwölf Luken mussten geöffnet werden, um alle
Sektionen der Station betreten zu können. Dabei trugen die Astronauten Atemfilter und
Augengläser für den Fall einer Kontamination der Luft an Bord der Station. Aber schon
nach wenigen Minuten konnten diese Vorsichtsmassnahmen beendet werden. Die Ventilation,
die für den Start fixiert worden war, wurde gelöst und einsatzbereit gemacht.
Am nächsten Tag wurden in Zvezda drei Batterien installiert, da
sie nur mit fünf statt acht gestartet war, um Gewicht zu sparen. Ausserdem wurde eine
vierte ersetzt. Im Verlauf des Vormittags fanden auch Interviews statt. Commander Wilcutt,
der aus Kentucky stammt, sprach mit TV-Stationen aus seiner Heimat.
Am 14. September fand eine Zündung der Positionsdüsen der Atlantis
statt, um die Umlaufbahn der Raumstation zu erhöhen. Dazwischen wurden russische Orlan-Raumanzüge
an Bord der ISS gebracht. Ausserdem wurde die Hardware für die erste Toilette der Station
von der Progress-Kapsel nach Zvezda gebracht.
Am nächsten Tag wurde die "Tretmühle" installiert. Sie
dient zur körperlichen Ertüchtigung und ist vibrationsfrei konstruiert, um etwaige
Experimente an Bord nicht zu stören. Ausserdem wurden die CBM-Controllers wieder
eingebaut, die bei der STS-96-Mission demontiert worden waren, um sie bei den
Umladearbeiten nicht zu beschädigen. Ausserdem wurden Scott Altman und Ed Lu von drei
TV-Stationen interviewt. Die mittlerweile leere Progresskapsel ist zum Abfalleimer
geworden.
Am 16. September fand eine letzte Zündung der Positionsdüsen statt,
und die nächsten Stunden standen im Zeichen der letzten Kontrollen der installierten
Systeme. Gegen Abend wurden dann am neuen Haus im Weltraum die Lichter gelöscht und die
Türen geschlossen. Eine Woche ist vergangen, in der die Astronauten Umzugsspezialisten,
Putzbrigade, Klempner, Elektriker und Kabelinstallateure gewesen sind. Nach fünf Tagen,
neun Stunden und einundzwanzig Minuten an Bord der Station wurde die letzte Luke
geschlossen.
Am 17. September löste sich die Atlantis wieder von der ISS,
und Bob Cabana, der Manager der internationalen Operationen des International Space
Station Program sagte:"Wir haben für die erste Besatzung der Raumstation den
roten Teppich ausgelegt." Bob Altman sagte:"Es hat richtig geglitzert da
draussen, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf dem Servicemodul. Es funkelte wie ein
Juwel vor dem blauen Hintergrund der Ozeane."
Den 18. September verbrachte die Besatzung mit der Vorbereitung für
die Landung, die am 19. September eingeleitet wurde und die dann noch in der Nacht, am
frühen Morgen des 20. erfolgte. Nach einer Reise von 4.9 Millionen Meilen setzte die Atlantis
um 2 Uhr 56 auf.
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Ivo
Cassani
SRV Webmaster |