STS-100Space Shuttle Mission STS-100

Der neunte Flug zur Internationalen Raumstation ISS startete am 19. April 2001. An Bord des Space Shuttles Endeavour befanden sich Commander Kent Rominger, Pilot Jeff Ashby, die Missionsspezialisten Chris Hadfield von der kanadischen Weltraumagentur, John Phillips, Scott Parazynski, Umberto Guidoni von der europäischen Weltraumagentur und Jurj Lonchakov von Rosaviakosmos. An Bord der ISS bereiteten sich Commander Jurj Usachev, Jim Voss und Susan Helms auf die Ankunft ihrer neuen Gäste vor, sowie die Montage des kanadischen Roboterarms. An Bord der Endeavour befand sich auch das in Italien gebaute Raffaello-Modul MPLM.

Beim MPLM handelt es sich um ein druckgeregeltes Modul mit einem aufwändigen Lebenserhaltungssystem, mit dessen Hilfe die Astronauten in ihm arbeiten und Gerät ausladen können, während es an die Station angedockt ist. Es ist das einzige Modul, mit dem das in Spezialschränken untergebrachte Experimentiergerät für die Labors der Station angeliefert werden kann. Als „Umzugslaster“ wird es außerdem Gerät und Vorräte zur Station und Abfälle zur Erde zurückbringen.

Bei dieser Mission beförderte „Raffaello“ Experimente für das US-Labormodul „Destiny“ sowie Versorgungsgüter und Geräte, die sowohl für die Bewohner der Station als auch zu deren weiterem Zusammenbau und Wartung dringend benötigt werden.

Der Flug von Umberto Guidoni zur Raumstation ist die Krönung einer fünfjährigen intensiven Vorbereitung. Erste Raumflugerfahrungen sammelte er 1996 als Nutzlastexperte bei einer 16tägigen Fesselsatellitenmission. Bei der Mission STS-100 spielte er eine Schlüsselrolle: Als für den MPLM-Logistikbetrieb verantwortlicher „Lademeister“ hat er die In- und Außerbetriebnahme von „Raffaello“ beaufsichtigt; außerdem leistete er Hilfestellung beim Bedienen des Roboterarms der „Endeavour“ bei den Außeneinsätzen.

Diese Mission stellte einen Meilenstein im Aufbau der Raumstation dar. „Schwerpunkt der bisherigen Missionen war der Transport von Bauteilen und Montagegerät. Unsere Mission markiert den wirklichen Beginn der wissenschaftlichen Nutzung der Station “, so Guidoni.

Zwei Tage nach dem Start dockte die Endeavour an der ISS an. Die Luke zum Andockadapter wurde nur kurz geöffnet, um einen Batteriebohrer zu holen, der für einen Weltraumspaziergang gebraucht werden sollte, und der dort deponiert worden war. Im Gegenzug deponierten sie dort Wasserkanister, Computerausrüstung, Nahrungsmittel und Filme für die IMAX-Kamera.

Am nächsten Tag wurde zuerst eine neue UHF-Antenne auf dem Destiny-Modul, und dann der kanadische Roboterarm installiert. Parazynski und Hadfield - der erste Kanadier im freien Raum - führten dazu einen über siebenstündigen Weltraumspaziergang durch. Der Arm ist über siebzehn Meter lang und besteht aus nicht weniger als sieben Gliedern. Eine ausgeklügelte Elektromechanik ermöglicht es ihm, über die Raumstation zu "wandern". Ein erster Test bewies die Funktionstüchtigkeit des Arms.

Montag führte der neue Roboterarm "Canadarm2" seine erste Bewegung durch, indem er seinen neuen Hauptanschluss am Destiny-Modul packte und sich mit den dortigen Computer- und Energieanschlüssen verband. Danach wurde das Raffaello-Modul mit dem etwas kleineren Roboterarm der Endeavour aus dem Laderaum des Shuttles gehoben und am Unity-Modul der ISS angedockt. Danach wurden zum ersten Mal die Luken zwischen dem Shuttle und der ISS geöffnet, was eine erste Direktbegrüssung der beiden Besatzungen ermöglichte. Dabei wurden auch Versorgungsgüter umgeladen.

Bei einem zweiten Weltraumspaziergang am Dienstag, der über siebeneinhalb Stunden dauerte, wurde der neue Roboterarm endgültig verkabelt und angeschlossen. Seine erste Aufgabe erledigte er am Mittwoch, indem er eine Transportpalette an ihren Platz brachte, gesteuert von der Robotics Work Station im Destiny-Labor.

In der darauffolgenden Nacht fiel einer der drei Stationscomputer der ISS aus. Flugcontroller in der Bodenstation versuchten daraufhin, das System wieder in Betrieb zu nehmen, indem sie die Funktionen von Computer 1 auf Computer 3 zu übertragen versuchten, aber als Susan Helms am nächsten Morgen für den Betrieb des Roboterarms Datenfiles vom Massenspeichersystem abrufen wollte, wurde das Kommando zurückgewiesen. Nach einer erneuten Diagnose wurde wieder versucht, die Funktionen auf Computer 3 zu übertragen, aber die Probleme blieben bestehen. Gegen Abend wurde Computer 1 heruntergefahren und neu gestartet. Ein erster Test, bei dem das Kommando zum Licht im Destiny-Labor ein- und ausschalten übertragen wurde, gelang. Jedoch blieb weiterhin die Kommunikation zwischen der ISS und der Bodenstation unterbrochen und musste über die Endeavour umgeleitet werden. Am Morgen des Donnerstags schliesslich gelang es Susan Helms mit einem Laptop, das Computersystem wieder in Betrieb zu nehmen. Wegen der eingetrenen Verzögerung wurde beschlossen, die Mission der Endeavour um zwei Tage zu verlängern.

Am Freitag wurde das Raffaello-Modul wieder im Laderaum der Endeavour verstaut, nachdem die drei Tonnen Material entladen worden waren. Scott Parazynski und Umberto Guidoni führten das Manöver mit dem sieben Tonnen schweren Modul durch.

Am Samstag setzten sich die Computerprobleme fort, die nun als Problem in der Software identifiziert wurden. Reservecomputer blieben ausser Betrieb, während ein zeitintensiver Neuabgleich vorgenommen wurde. Etwa zur selben wurde gemeldet, dass in Bajkonur eine Sojus mit den russischen Kosmonauten Talgat Musabajew, Jurj Baturin und dem Amerikaner Dennis Tito gestartet war, dem ersten "Touristen" im Weltraum. Am Nachmittag dann übergab der kanadische Roboterarm die nunmehr überflüssige Starthalterung an den Roboterarm des Space Shuttles. Es war dies das allerste Roboter-zu-Roboter-Manöver im Weltraum aller Zeiten! In der Zwischenzeit wurden die Computertests fortgesetzt. Computer funktionierte zufrieden stellend, trotz eines Problems mit der Harddisk.

Am Sonntagmorgen dockte die Endeavour von der ISS ab, und während am Nachmittag die Computersysteme wieder in einem voll funktionstüchtigen Zustand waren, fand das Dockingmanöver mit der Sojus-Kapsel statt, womit der erste Weltraumtourist die Raumstation betrat. Aufgrund von Wetterproblemen wurde die für am Dienstag geplante Landung der Endeavour gestrichen. Als am Dienstag die Wettervorhersage für Florida nicht besser wurde, wurde beschlossen, die Landung in Edwards stattfinden zu lassen, was dann am Mittag auch gelang.

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Ivo Cassani
SRV Webmaster