Paris, 21. Februar 2003
Presseinformation
N° 05-2003
Raumfähre "Columbia" - Mitteilung Nr. 3
Neuester Stand der technischen Ermittlungen
Die zur Klärung der Ursachen des "Columbia"-Absturzes
eingesetzte Untersuchungskommission (CAIB) unter dem Vorsitz von Admiral
a.D. Harold Gehman hat die volle Verantwortung für die Ermittlungen
übernommen, bei denen ihr mehrere Berater und Fachgremien zur Seite
stehen. Sie hat dem Johnson Space Center, dem Kennedy Space Center, dem
Marshall Space Flight Center und dem Werk in Michoud (Louisiana), wo die
Außentanks für den Raumtransporter gefertigt und zusammengebaut werden,
bereits Besuche abgestattet.
Die CAIB hat berichtet, daß die während des Wiedereintritts gemessenen
Temperaturen im linken Radschacht der "Columbia" vorläufigen
Analysen zufolge auf das Eindringen von Plasma hindeuten. Unter Plasma ist
das sehr stark aufgeheizte Gas zu verstehen, das die Raumfähre beim
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre umgibt. Nach Auffassung der CAIB
dürfte der Wärmedurchgang durch die Struktur, wie er bei Fehlen einer
Hitzeschutzkachel auftreten könnte, allein nicht ausreichen, um den in
den letzten Flugminuten registrierten Temperaturanstieg zu erklären.
Weitere Analysen würden zu anderen Szenarien unter Annahme eines
Durchbruchs durch den Hitzeschild angestellt, der zum Eindringen von
Plasma in den Radschacht oder andere Tragflächenbereiche geführt hätte.
Flugdaten z.B. über die Position des Fahrwerks sowie der gemessene
Luftwiderstand zeigten, daß ein verfrühtes Ausfahren des Fahrwerks
unwahrscheinlich ist. Nach dem Abriß der Sprechverbindung zur
"Columbia" traten anscheinend zwei zusätzliche
Lageregelungstriebwerke in Aktion, wie aus Daten der anschließenden
Sekunden hervorgeht. Es ist bekannt, daß vorher zwei andere
Giersteuerungstriebwerke zündeten, um die Kontrolle über die Fluglage
wiederherzustellen.
Einer der fünf Hauptcomputer der "Columbia" befand sich unter
den Trümmerteilen, die zum Kennedy Space Center gebracht wurden. Der
Rechner ist stark beschädigt und seine Batterie unauffindbar. Dieser
Rechnertyp hat kein Festplattenlaufwerk, so daß nach Ansicht der
Ermittler wenig Aussicht besteht, aus dem Computer zusätzliche
Informationen herauszuholen.
Stand der ISS und kurzfristige Planung
Die NASA hat Gespräche mit Rosaviakosmos über die künftige Nachschub-
und Mannschaftsablösungsstrategie sowie mit der ESA über eine mögliche
Umplanung der Taxi-Flüge mit ESA-Astronauten aufgenommen. Diese
Gespräche sind noch nicht abgeschlossen und gehen weiter. Inzwischen
setzt die Mannschaft, die bei der nächsten Raumtransportermission zur ISS
fliegen sollte, ihre Ausbildung fort; parallel dazu wird eine Mannschaft
für den nächsten Sojus-Flug (im April) auf den Fall vorbereitet, daß
sie als nächste Expeditionsmannschaft eingesetzt werden soll. Die
gegenwärtige Mannschaft auf der Internationalen Raumstation ist wohlauf
und war zuletzt mit folgenden Arbeiten beschäftigt:
- Gegen Ende der ersten drei Monate an Bord der Raumstation führte die 6.
Expeditionsmannschaft wissenschaftliche Experimente durch, verstaute
Gerät und sprach mit den Medien. Am 11. Februar wurden die Triebwerke des
angedockten Progress-Fahrzeugs 22 Minuten lang
gezündet, womit die durchschnittliche Bahnhöhe der Station um rd. 9,2 km
angehoben wurde.
- ISS-Wissenschaftler Don Pettit von der NASA nahm unter Anleitung durch
Bodeningenieure einen Eingriff am Handschuhkasten der ESA für
Schwerelosigkeitsexperimente vor. Letzte Woche wurde ein Stromunterbrecher
ausgelöst, als Pettit Ersatzteile einbaute, die das Progress-Fahrzeug
angeliefert hatte. Das Gerät ist nun abgeschaltet, bis Fachleute der ESA
und der Industrie einen Plan für seine Wiederingangsetzung ausgetüftelt
haben.
- Am 13. Februar aktivierten Pettit und Kommandant Ken Bowersox den
kanadischen Manipulatorarm (Canadarm2) der Station und führten eine Reihe
komplexer Manöver zur Überprüfung seiner Funktionstüchtigkeit durch.
Nähere Auskunft erteilt:
ESA Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Referat Medienbeziehungen
Tel.: +33(0)1 53 69 71 55
Fax: +33(0)1 53 69 76 90
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