Paris, 5. Februar 2003
Presseinformation
N° 03-2003

Raumfähre "Columbia" - Mitteilung Nr. 2

Gedenkfeiern

Gestern, am 4. Februar, fand im Johnson Space Center der NASA eine
Trauerfeier statt, an der US-Präsident George W. Bush, die Angehörigen der
beim "Columbia"-Absturz ums Leben gekommenen sieben Astronauten,
zahlreiche Persönlichkeiten sowie Vertreter der internationalen Partner
der NASA teilgenommen haben. Für die ESA waren der Leiter des Europäischen
Astronautenzentrums, mehrere Astronauten, Vertreter des ESA-Büros in
Houston und für Nutzlasten der Mission STS-107 verantwortliche
ESA-Bedienstete anwesend.

Am Donnerstag, den 6. Februar, findet in der National Cathedral in
Washington D.C. ein Gedenkgottesdienst statt, dem Vertreter der
internationalen Partner bei der ISS und anderen Weltraumprogrammen sowie
hochrangige Repräsentanten mehrerer europäischer Regierungen beiwohnen
werden. Die ESA wird bei diesem Gottesdienst von ihrem Generaldirektor,
Antonio Rodotà, und ihrem Direktor für Bemannte Raumfahrt, Jörg
Feustel-Büechl, vertreten.

Neuester Stand der technischen Ermittlungen

Der Direktor des Raumtransporterprogramms der NASA, Ron Dittemore, gab auf
einer Pressekonferenz folgende Einzelheiten zur Rekonstruktion der letzten
Flugminuten der "Columbia" bekannt:

· Um 14.52 Uhr MEZ zeigten drei Temperatursensoren in der
Bremsdruckleitung des linken Fahrwerks einen ungewöhnlichen
Temperaturanstieg im linken Fahrwerkschacht an (zu diesem Zeitpunkt
näherte sich die Raumfähre der kalifornischen Küste).
· Um 14.53 Uhr MEZ zeigte ein vierter Temperatursensor in der
Bremsdruckleitung der linken Fahrwerksstrebe über einen Zeitraum von fünf
Minuten einen Temperaturanstieg um 17 bis 22° C an (die "Columbia" befand
sich über Kalifornien).
· Um 14.55 Uhr MEZ zeigte ein fünfter Temperatursensor in der
Bremsdruckleitung des linken Fahrwerks einen starken Temperaturanstieg an.
· Um 14.57 Uhr MEZ fielen die Temperatursensoren der linken Tragfläche
aus, so daß am Boden keine Daten mehr empfangen wurden (die "Columbia"
befand sich zu diesem Zeitpunkt über Arizona).
· Um 14.59 Uhr MEZ schließlich, unmittelbar vor Abbruch des Funkkontakts
zur Raumfähre, wurde verstärkter Luftwiderstand an der linken Tragfläche
registriert, worauf zwei von vier Gier-Steuerungsdüsen auf dieser Seite
rund 1,5 Sekunden lang zündeten, um den erhöhten Widerstand auszugleichen.
Die "Columbia" war nach wie vor unter Kontrolle, doch änderten sich die
Bahnparameter rascher, als normalerweise zu erwarten war.

Dittemore gab ferner bekannt, daß es noch einige Zeit in Anspruch nehmen
werde, bis die nach Abbruch des Funkkontakts von den Bodencomputern
aufgezeichneten Daten weiterer 32 Sekunden ausgewertet und auf ihre
Relevanz für die Ermittlungen überprüft sind.

Das Stück Hartschaumisolierung, das sich rund 80 Sekunden nach dem Start
vom Außentank gelöst hatte, maß nach den Worten Dittemores etwa 40 cm x 50
cm x 15 cm und dürfte 1,2 kg gewogen haben.

Die Ermittlungen stützen sich nicht nur auf die Bilder von der Mission
STS-107, sondern auch auf Aufnahmen eines ähnlichen Zwischenfalls beim
Flug der Raumfähre "Atlantis" im Oktober 2002 (STS-112), bei dem die
Mannschaft die Trennung des Außentanks von der Fähre beim Start gefilmt
hatte. Damals war man zu dem Schluß gelangt, daß das losgelöste Teil keine
Gefahr für die Sicherheit von Mannschaft und Fähre darstellte. Diese
Analysen werden nun weitergeführt, um herauszufinden, ob und inwieweit der
Zwischenfall möglicherweise zu der Katastrophe beigetragen hat.

Unterdessen geht die Sammlung und Zusammenstellung der Trümmerteile der
"Columbia" weiter, wobei den Teilen, die Daten und Aufzeichnungen
enthalten, besondere Aufmerksamkeit zukommt. Jedes Teil wird auf nützliche
Hinweise untersucht.

Darüber hinaus führt die NASA eine Reihe von Untersuchungen durch, um die
genaue Unglücksursache zu ermitteln. Dabei wird abgeschätzt, in welchem
Umfang eine Tragfläche beschädigt sein muß, damit die beim Wiedereintritt
der "Columbia" festgestellten asymmetrischen Luftwiderstandswerte
auftreten. Auch soll festgestellt werden, bei wieviel Hitzeschutzverlust
eine Raumfähre schrittweise auseinanderbricht, wie es bei der "Columbia"
der Fall war.

Stand der ISS und kurzfristige Planung

Die NASA und ihre internationalen Partner bei der ISS haben bereits erste
Besprechungen zur Beurteilung des Stands der ISS und der weiteren Planung
abgehalten.

Die Bordmannschaft setzt ihre Arbeit planmäßig fort und entlädt zur Zeit
den Progress-Frachter, der wie vorgesehen gestern, am 4. Februar, um 15.49
Uhr MEZ erfolgreich an die Station angedockt hat.

Sämtliche Partner wollen sicherstellen, daß die ISS ständig besetzt
bleibt. Es werden verschiedene Vorschläge und Optionen im Hinblick auf die
bestmögliche Versorgung der Station mit Sojus- und Progress-Fahrzeugen
erörtert. Dabei spielen auch die für April und Oktober dieses Jahres
geplanten Flüge zur Auswechslung der Sojus-Kapseln mit Beteiligung von
ESA-Astronauten eine Rolle.

Europäische Wissenschaftsdaten der Mission STS-107

In ersten Stellungnahmen haben die Betriebs- und Wissenschaftsteams für
die drei ESA-Instrumente, deren Telemetrie- und Videodaten vollständig
empfangen werden konnten, ihre große Trauer über das tragische Ende der
Mission STS-107 bekundet. Gleichzeitig brachten sie ihre Zufriedenheit mit
den wissenschaftlichen Daten zum Ausdruck, die der ausgezeichneten Arbeit
der Mannschaft zu verdanken seien.

Die Anlage für Adsorptions- und Oberflächenspannungsmessungen (FAST), die
erstmals während der Mission STS-95 im Oktober 1998 (bei der der Veteran
der US-Astronauten, John Glenn, und ESA-Astronaut Pedro Duque dabei waren)
mitgeführt wurde, hat hervorragend funktioniert. Mit ihr wurden drei
Experimente in Folge für ein deutsches und zwei italienische
Experimentatorenteams durchgeführt.

Die Einrichtung "Com2Plex" bestand aus drei Kreislauf-Wärmerohren, die von
drei Unternehmen aus Belgien, Frankreich und Deutschland beigestellt
worden waren. Die empfangenen detaillierten Daten lassen erhebliche
Verbesserungen der Wärmetransportfähigkeit erkennen.

Für alle sieben Flugexperimente mit dem Verbesserten
Atmungsüberwachungssystem (ARMS), die für Experimentatorenteams aus
Dänemark, Deutschland, Italien und Schweden durchgeführt wurden, liegen
exzellente Daten vor.

Näheres zu den bei der Mission STS-107 mitgeführten europäischen
Instrumenten und Experimenten ist unter
http://www.spaceflight.esa.int/STS107 zu finden. Datenblätter zu den
Experimenten können unter
http://www.estec.esa.int/spaceflight/transfer/STS107exp abgerufen werden.


Nähere Auskunft erteilt:

ESA Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Referat Medienbeziehungen
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