Analyse der Unfalluntersuchung
Start
Bei einer Analyse der Videoaufzeichnung des Starts wurde festgestellt,
dass sich ungefähr 81 Sekunden nach dem Start Hartschaumteile vom
Aussentank im Bereich der vorderen Verankerungsverbindung zwischen
Orbiter und Tank lösten und die Columbia im Bereich der vorderen
Hitzeschutzklammern des linken Flügels, nahe der Orbiterseitenwand,
an der unteren Seite trafen. Die betroffenen Panelklammern sind die Panele
RCC 5-9.
Orbit
Während des 16-tägigen Aufenthalts im Orbit deuteten weder
die analysierten Daten der Orbiter-Telemetrie, der übermittelten
Videoaufzeichnungen und Fotos, noch die Berichte der Crew auf Anzeichen
von Beschädigung des Orbiters hin.
Eine
nach dem Unfall durchgeführte Radaranalyse zeigte, dass sich
am zweiten Tag des Fluges ein Objekt von der Raumfähre löste,
das zunächst für ungefähr zweieinhalb Tage im Orbit
blieb und dann in die Erdatmosphäre eintauchte. Die Analyse der
Radardaten, eine Ballistikanalyse der verschiedenen thermischen Schutzsystemteile
sowie die genaue Kontrolle der übertragenen Videoaufzeichnungen
aus der Nutzlastbucht sind zur Identifizierung des Objektes herangezogen
worden. Die Analyse konnte alle Teile, ausser ein RCC-Panel oder ein
Dichtungsstück (RCC-T-Dichtung), das den Spalt zwischen den vorderen
Flügelhitzeschutzklammern abdichtet, ausschliessen. Somit handelt
es sich mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit um das Objekt, das beobachtet
wurde.
Eintritt
Es
gab keine Probleme beim Deorbit Burn selbst. Am Morgen des 1. Februar
trat die Columbia mit unbekannter Beschädigung
an der RCC-Verkleidung 5-9 und an der T-Dichtung in diesem Bereich
des linken Flügels in die Erdatmosphäre ein. Analysen und
Tests weisen auf die RCC-Verkleidung 8/9 (siehe rote Umrandung im Bild)
als den wahrscheinlichsten Bereich der Beschädigung hin.
Die beschädigte RCC-Verkleidung im 8/9 Bereich war extremer Hitze über
einem langen Zeitraum unterworfen, was zur Erosion führte und
Beschädigungen
an den angrenzenden Hitzeschutzkacheln und Metallen verursachte.
MADS-Daten zeigten, dass die Temperatur der RCC-Teile und die Temperatur
dahinter ungefähr um 8:49:00 EST zu steigen begann. Das zeigt,
dass heisses Gas in den Spalt zwischen zwei RCC-Teilen eingedrungen
sein muss. Das Einströmen erfolgte im Zeitraum von 8:44:09 EST
und 8:49:00 EST. Drei Minuten später, bei 8:52:00 EST, führte
ein Bruch der Alumniumhülle dazu, dass heisses Gas ins Innere
des Flügels gelangte. Sofort fing das heisse Gas innerhalb des
Flügels an, die elektrischen Kabelstränge aufzuheizen, die
zur Übertragung der Telemetriedaten und MADS-Daten dienten. Ein
MADS-Sensor, der den Innendruck des linken Flügels misst, war
der erste Systemausfall um 8:52:16 EST. In den folgenden vier Minuten
fielen 164 andere Sensoren aus. Der letzte Sensorenausfall war ungefähr
8:56:24 EST. Die meisten Sensoren fielen sehr schnell, innerhalb der
ersten zwei Minuten nach Beginn des Flügelbruchs aus.
Das Flugsteuerungssystem der Columbia verzeichnete wegen der Beschädigung
des linken Flügels eine Abweichung von der vorgezeichneten Flugbahn
(8:52:05 EST). Eine entscheidende Änderung in der Aerodynamik
des Orbiters wurde um 8:54:20 EST beobachtet, was auf eine Veränderung
der Beschädigung am linken Flügel hindeutet. Gleichzeitig
wurden einige sehr helle Aufleuchterscheinungen, die das Loslösen
grösserer Teile belegen, in Amateurvideos festgestellt.
Nachdem heisses Gas in den linken Flügel eintrat, wurden mehrfach
Aufleuchterscheinungen auf Video von Beobachtern aufgenommen. Diese
Videobilder fangen bei 8:53:46 EST (20 Sekunden nach dem Erreichen
der kalifornischen Küste) an und enden mit dem Auseinanderbrechen
der Columbia. Welche Teile sich während dieses Zeitraums lösten,
wird wohl nicht sicher ermittelt werden können. Jedoch sind Teile
des oberen Flügels und des thermischen Schutz-Systems (TPS) mögliche
Anwärter. Beschädigungen der inneren Aluminiumkonstruktion
sind ebenfalls wahrscheinlich. Diese scheinen die Orbiterkommunikation
beeinflusst zu haben. Es gab 13 unerklärte Kommunikationsabbrüche
während dieser Zeit.
Ein anormaler Anstieg der Temperatur in den Hydraulikleitungen um
8:56:16 EST belegt, dass heisses Gas die Fahrwerkschachtwand durchdrungen
hat. Eine andere bedeutende Änderung in der Aerodynamik der Columbia
trat um 8:58:09 EST ein, begleitet von weiterem Ablösen einzelner
Teile. Der Orbiter reagierte darauf mit einer scharfen Änderung
in seiner Querrudertrimmung. Zusätzlich gingen um 8:58:56 EST
alle linken Druck- und Temperatursensoren des Reifens verloren, was
auf eine beschleunigte Beschädigung innerhalb des Fahrwerkschachts
hindeutet. Die sich fortsetzende Flügelbeschädigung verursachte
eine weitere plötzliche Änderung in der Aerodynamik des Orbiters
um 8:59:29 EST. Die Columbia versuchte dies auszugleichen, indem sie
mit allen vier rechten Gierungsdüsen feuerte. Um 8:59:32 EST hatte
das Mission Control Center alle Telemetriedaten verloren. MADS-Recorderdaten
gingen um 9:00:14 EST verloren. Wie Videobilder zeigten, erfolgte das
Auseinanderbrechen des Orbiters durch aerodynamische Effekte um 9:00:23
EST.

Der Abschlussbericht des Columbia Accident Investigation Board kann
als 10 MB grosses PDF-File beim SRV bezogen werden. Senden Sie Ihre
Bestellung bitte an den Webmaster.
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