PRODEX

Zwei Jahrzehnte Prodex

Am 6. und 7. September 2007 fand in St. Gallen und Altenrhein ein Symposium zu experimentellen Weltraumforschung in der Schweiz statt. Weltraumforscher der Schweiz, die in den vergangenen zehn Jahren eigene Weltraumexperimente entwickelt haben, Vertreter von involvierten Unternehmen, der ESA sowie geladene Gäste unter anderem aus der lokalen Wirtschaft würdigten das zweite Jahrzehnt der erfolgreichen Beteiligung der Schweiz im ESA-Programm Prodex.

Prodex ist ein Programm der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, dessen Ziel es ist, Finanzierung und Management für die experimentelle Weltraumforschung in Staaten ohne eigene Raumfahrtagentur bereitzustellen. Es wurde 1986 gegründet, unter massgeblicher Beteiligung der Schweiz, da es in ihrem Interesse lag, an den Weltraumexperimenten der ESA — die traditionell von den Forschungsinstituten ihrer Mitgliedsstaaten entwickelt und durch diese selbst finanziert werden müssen— teilnehmen zu können. Schweizer Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Verwaltung initiierten dieses optionale ESA-Programm, dessen Ziel es ist, den Forschungsinstitutionen der Prodex Teilnehmerstaaten Mittel für die gemeinsame Entwicklung von wissenschaftlichen Instrumenten und Experimenten mit der Industrie in allen Bereichen der Weltraumforschung zur Verfügung zu stellen. Wissenschaftler aus Schweizer Forschungsinstitutionen, deren Experimente von der ESA ausgewählt oder mit deren Programm in Einklang stehen, können seither in der aktiven Nutzung wissenschaftlicher Weltraummissionen gezielt unterstützt werden. Die Zusammenarbeit von Forschungsinstitutionen und der Industrie folgt in der Schweiz der Regel, wonach mindestens die Hälfte der gesamten Prodex Unterstützungen in die Schweizer Industrie fliessen muss.

Für die Förderung der experimentellen Weltraumforschung spielt Prodex in der Schweiz eine wesentliche Rolle. Von 1987 bis 1997 wurden 16 (mittlerweile erfolgreich abgeschlossene) Entwicklungsprojekte für Weltraumexperimente mit rund 54 Mio. CHF mitfinanziert, und in den letzten zehn Jahren wurden gar 28 Projekte mit rund 55 Mio. Euro unterstützt, wobei mehr als 50% dieser Mittel im Rahmen anspruchvoller Entwicklungsaufträge an die Schweizer Industrie gingen. Dazu gehören auch grosse Weltraummissionen wie der Flug der Sonde Rosetta zum Kometen Churyumow-Gerasimenko mit dem Rosina-Instrument der Universität Bern oder die Entwicklung der wissenschaftlichen Datenauswertung des Integral Gammastrahlen Observatoriums der ESA durch das Integral Science Data Centre in Versoix.

ISDC VersoixAb dem Jahr 2008 werden in der Schweiz jährlich rund 7,2 Mio. Euro für Prodex-Projekte zur Verfügung stehen. Es liegt eine interessante Zeit mit zahlreichen Chancen vor uns. So ist heute beispielsweise die Selektion der Missionen für das ESA-Wissenschaftsprogramm für den Zeitraum 2015-2025 voll im Gang, für die ESA Explorationsinitiative AURORA zur Erforschung unseres Sonnensystems wird die Mission ExoMars implementiert, für die Folgemission NEXT steht ein Vorschlag für eine Technologie-Mission zum Mars oder zum Mond zur Auswahl vor und im Kontext des ersten europäischen Versorgungsraumschiffes ATV und des Weltraumlabors Columbus als europäischer Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS eröffnen sich weitere Chance für Experimente auf diesen Plattformen. Die internationale Zusammenarbeit mit aufstrebenden Weltraumorganisationen in Russland, Japan, China und Indien ergänzt die klassischen Kooperationsmodelle mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada.

Prodex kann von Schweizer Forschenden für Hardware- und Software-Entwicklungsprojekte eingesetzt werden. Bei der Evaluation der Projektvorschläge werden alle Disziplinen der Weltraumforschung (Astrophysik, Astrometrie, Fundamentalphysik, Weltraumbiologie, Humanphysiologie, Materialwissenschaften, Planetologie inklusive robotischer Erkundung des Sonnensystems, Kometenforschung, Beobachtung der Sonne und des Sonnenwindes und Erdbeobachtung) gleichberechtigt behandelt. Schweizerische Experimente, die dank Prodex realisiert werden konnten, fliegen mit auf Sonden und Satelliten der europäischen, russischen, US-amerikanischen, japanischen und indischen Raumfahrtorganisationen. Neben der Schweiz sind Irland, Belgien, Norwegen, Österreich und Dänemark an Prodex beteiligt.

Liste der von Prodex geförderten Entwicklungen:

Jahr Experiment Institution Typ Mission
1996 Rosina Uni Bern Kometenforschung Rosetta
  UV cal. PSI Sonnenbeobachtung SOHO
1997 APEX Uni Zürich Erdbeobachtung Airborne
  ISDC Obs. Genf Astrophysik Integral
1998 SOVIM PMOD/WRC Sonnenbeobachtung ISS
1999 ASPERA 3/4 Uni Bern Planetenforschung Mars-/Venus Express
  HIFI ETHZ Astronomie Astrophysik Herschel
2000 PLASTIC Uni Bern Sonnenbeobachtung STEREO (NASA)
2001 PLANCK Obs. Genf Astrophysik PLANCK
  HST DATA Uni Basel Astrophysik Hubble Space Telescope
  PREMOS MOD/WRC Sonnenbeobachtung PICARD (CNES)
2002 SHM/ACES Obs. NE Grundlagenphysik ISS
  LANDER HM BE Planetenforschung Mars Express
  LYRA MOD/WRC Sonnenbeobachtung PROBA-2
2003 LTP FEE ETHZ Grundlagenphysik LISA Pathfinder
  COROT Obs. Genf Astrophysik COROT (CNES)
  MIRI PSI Astrophysik JWST (NASA/ESA)
2004 SERENA Uni Bern Planetenforschung Bepi-Colombo (ESA/JAXA)
  BELA Uni Bern Planetenforschung Bepi-Colombo (ESA)
2005 PADIAC SBG, ETHZ Biologie KUBIK, Soyuz
  MIA SBG, ETHZ Biologie KUBIK, Soyuz
  SACESTRE SBG, ETHZ Biologie ISS
  IBEX Uni Bern Astrophysik IBEX (NASA)
2006 GAIA CU-7 Obs. Genf Astrophysik GAIA
  SPHEROID SBG, ETHZ Biologie KUBIK, Soyuz
2007 MicrOmega Uni Bern Planetenforschung ExoMars
  SEIS ETHZ Planetenforschung ExoMars