Der
Weltraum wird rot
Mit
dem erfolgreichen Start um 3 Uhr MEZ des 15. Oktober 2003 hat China
als dritte Raumfahrernation ihren Fuss in den Weltraum gesetzt. Nach
vier gelungenen Teststarts ist trägt die Trägerrakete "Langer
Marsch 2F" nun mit Yang Liwei zum ersten Mal einen "Taikonauten"
mit dem Raumschiff "Shenzou 5" in den Weltraum. Die weltweite
Raumfahrt
kann
von
der zusätzlichen Konkurrenz nur profitieren.
China verfolgte schon in den 60er-Jahren ein ehrgeiziges Weltraumprogramm,
das selbst durch Mao's Kulturrevolution nur kurz behindert wurde. Zehn
Jahre später fehlte dann die finanzielle und politische Motivation,
woraufhin sich das Riesenreich auf die Entwicklung von Trägerraketen
für Satellitenstarts konzentrierte, die sich mittlerweile als höchst
zuverlässig und erfolgreich erwiesen haben. Nach dem Einkauf von russischer
Sojus-Technologie in den 90er-Jahren und dem bis heute ungebremsten
wirtschaftlichen Aufschwung des bevölkerungsreichsten Landes der Erde,
setzte ein neuer Technologieschub ein, der nun in der Entwicklung der
neuen Shenzou-Schiffe gipfelt.
Diese
Schiffe sind keine blossen Sojus-Kopien, vielmehr ist es China gelungen,
die Basistechnologie weiterzuentwickeln. Zum Beispiel ist
die Shenzou in der Lage, bis zu vier Personen zu transportieren, gegenüber
drei in den Apollo- und Sojus-Raumschiffen. Die Solarzellenflächen
sind deutlich grösser und ermöglichen eine stärkere Stromversorgung.
Zudem wird an der Spitze ein zusätzliches Orbitalmodul mittransportiert,
das vor der Rückkehr
zur
Erde im Weltraum
bleibt. Bei den bisherigen Testflügen sind diese Module bis zu einem
halben Jahr in der Umlaufbahn geblieben. Sie verfügen über eigene Steuerungssysteme
und können theoretisch zu einer Mini-Raumstation zusammengekoppelt
werden.
Shenzou 5 ist der erste Schritt auf China's unabhängigem Weg in den
Weltraum. Vielleicht wird sich der Rest der Welt wieder daran erinnern,
wohin Prestige und nationaler Stolz einst geführt hat, nämlich auf
den Mond!
Ivo Cassani |