Die Eroberung des Weltraums lässt sich nicht aufhalten
Es war schon immer ein Bedürfnis des Menschen, seine Grenzen zu überschreiten. Die Erforschung des Weltraums ist eine Phase der Menschheit. Wir sind zum Mond gegangen, und dorthin werden wir zurückkehren, bevor wir zum Mars gehen und das Sonnensystem verlassen. Die Tragödie der Columbia wird diese Bewegung nicht aufhalten. Für die NASA ist es absolut klar, dass die Raumfähre ihre Flüge wieder aufnehmen wird, auch wenn man sich im Moment schwer vorstellen kann, dass dies noch vor Ende dieses Jahres geschehen soll. In der Zwischenzeit wird Sojus den Transport zur Raumstation sicherstellen, die in der Zeit aus zwei Personen, einem Russen und einem Amerikaner bestehen wird. Es stellt sich dabei einzig das Problem, dass nur wenig Platz für die Wasserversorgung vorhanden ist. Bis zu einem vollwertigen Ersatz der Raumfähre um 2012 wird dies wahrscheinlich durch eine Kapsel sichergestellt werden. Die NASA ist sich der Schwierigkeiten bewusst, von denen die Raumfähre ein Teil ist.
Was die Columbia-Katastrophe betrifft, so sind wir von den Erkenntnissen nicht weit entfernt. Wir wissen, dass etwas den Hitzeschild am linken Flügel beschädigt hat. Ein Stück Hartschaum, ein Eisblock oder ein Stück einer Startrakete oder so etwas. Wir wissen auch, dass sich ein Objekt am zweiten Tag der Mission von der Fähre gelöst hat, und es gab bereits vor dem Wiedereintritt Anomalien. Man spricht vom Eindringen heissen Gases im Fahrwerkschacht. Dreissig Sekunden vor dem Unfall rissen die Funk- sowie die Datenverbindungen der Telemetrie und der Steuerung ab. Zwei Sekunden davor geriet die Fähre in eine starke Drehung. Das alles sind wahrscheinlich Auswirkungen eines ursprünglichen Vorkommnisses.
Die Raumfähre ist eine gefährliche Maschine. Die NASA hat die Wahrscheinlichkeit, an Bord einer Raumfähre das Leben zu verlieren, berechnet. Während des Starts und der Landung steigt das Risiko auf 1:140. Während des Raumflugs sind es 1:200. Das bedeutet ein Risiko von 1:80, wenn man an Bord steigt. Es ist jetzt die Absicht, in Zukunft den thermischen Schutz zu verstärken, während des Starts Überwachungskameras einzusetzen und Reparaturmöglichkeiten zu entwickeln.
Zum Thema des Weltraumtourismus muss ich sagen, dass mir das Wort nicht gefällt, denn es ist zu sehr mit Umweltbelastungen verbunden. Ich bevorzuge eher den Ausdruck Weltraum für die ganze Welt. Der Abenteuertourismus ist im Aufwind. Die russischen MiG-Flüge sind zum Beispiel ein echter Erfolg. Aber die Menschen müssen sich über die von mir geschilderten Risiken im Klaren sein, wenn sie eine Raumfähre besteigen. Der Weltraumtourismus ist noch keine Realität. Aber das wird kommen.
Ich glaube nicht, dass der Weltraumschrott die Raumreisen wesentlich behindern wird. Man ist sich dieses Problems nun schon seit einiger Zeit bewusst. Die Anzahl der existierenden Teile sind sowieso im Begriff, sich wegen ihren zusammenfallenden Umlaufbahnen zu verringern. Trotzdem haben wir natürlich nicht das Recht, solche Objekte einfach im Weltraum zu lassen, und sei es auch nur, um Unfälle im niedrigen Orbit (200 bis 600 km), wo Gefahr herrschen kann, zu verhindern. Ich habe einmal eine Schraube verloren und alles unternommen, um sie wieder zurückzuholen. Auf der anderen Seite kenne ich natürlich nicht die Haltung des Militärs zu dieser Sache.
Ich bin im Begriff, eine Arbeit bei der Europäischen Weltraumagentur ESA abzulehnen, denn ich ziehe es vor, aktiver Astronaut zu bleiben. Ich weiss aber, dass ich aufgrund meines Alters nur noch bis September 2004 Astronaut sein kann. Nach vier Missionen schaue ich auf eine extrem befriedigende Karriere zurück. Ich liebe es, an Experimenten teilzunehmen. Ich habe eine natürliche Neugierde, wie ich sie auch bei vielen Jugendlichen finde. 2004 werde ich mich deshalb dem EPFL zuwenden, wo ich Kurse über noch unbekannte Themen geben werde. Ich arbeite.
Bis heute war ich der einzige Schweizer im Weltraum, meine erste Mission war 1992. Es fehlt in der Schweiz nicht an kompetenten Möglichkeiten, aber Astronaut zu sein ist mit gewissen Risiken verbunden, nicht nur wegen der latenten Lebensgefahr sondern auch wegen der ungewöhnlichen Karriere, die damit verbunden ist. Der Risikogedanke muss sich in der Schweiz noch etwas ausbreiten. Die Teilnahme an attraktiven europäischen Programmen erleichtert der Schweiz zwar den Zugang zum Weltraum, aber angesichts des europäischen Astronautenkorps ist für kleine Länder nur wenig Platz. Mir ist heute klar, dass ich damals im genau richtigen Moment gekommen bin.
Auf die Frage, ob ich im Weltraum jemals Gott gesehen habe, muss ich sagen, dass ich diesen Begriff nicht genau definieren kann. Auf jeden Fall kann ich aber versichern, dass ich auf meinen Missionen eine aussergewöhnliche Welt gesehen habe.
|