Deutschland übernimmt bei Galileo die industrielle Führung
"Die Bundesregierung hat beim Projekt Galileo einen
Durchbruch erzielt: Deutschland wird bei der Projektentwicklung des europäischen
Satellitennavigationssystems Galileo die industrielle Führung übernehmen",
kündigte der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Dr.
Manfred Stolpe, am Mittwoch in Berlin an.
"Mit Galileo schaffen die Europäer ein ziviles
Gegengewicht zum militärisch geprägten US-Navigationssystem GPS",
erklärte Stolpe. Deshalb sei Galileo von großer außen-,
europa- und industriepolitischer Bedeutung. Die erheblichen
Nachfrageinteressen nach satellitengestützten Navigationsdiensten
enthielten ein nicht absehbares Wachstumspotenzial und ließen neue,
zukunftsträchtige Arbeitsplätze erwarten. Bereits die Beteiligung am
Aufbau von Galileo ermöglichte den Einstieg in einen neuen, weltweit
rasch wachsenden Hochtechnologie-Markt. Hier gebe es eine große Chance für
die deutsche und europäische Industrie, mit der spürbare Effekte für
den Arbeitsmarkt und wirtschaftliches Wachstum verbunden seien.
Galileo ist das erste gemeinsame Raumfahrtprojekt der Europäischen
Union und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Wie Stolpe
betonte, würden hier die Grundlagen für die Zusammenarbeit bei weiteren
großen Projekten geschaffen. Deshalb sei es der Bundesregierung ein großes
Anliegen gewesen, eine angemessene Beteiligung der deutschen Industrie an
der Entwicklung und dem Aufbau von Galileo zu sichern und Pflöcke für
den künftigen deutschen Anteil am Betrieb des Systems einzuschlagen.
Die Entwicklungsphase von Galileo soll mit jeweils 550 Millionen Euro
von der EU und von der Europäischen Weltraumagentur ESA finanziert
werden. Die Freigabe der ESA-Mittel war aber bislang blockiert, da einige
ESA-Mitgliedstaaten sich finanziell in höherem Maße beteiligen wollten,
als es ihrem Anteil nach dem Bruttosozialprodukt-Schlüssel entsprechen würde.
Durch die konsequente politische Haltung der Bundesregierung war in der
vergangenen Woche eine Einigung mit Italien erzielt worden. Damit haben
sich die vier führenden europäischen Raumfahrtnationen Frankreich,
Italien, Großbritannien und Deutschland über die Arbeitsverteilung bei
Galileo verständigt. Maßgebliche Festlegungen sind, dass Deutschland den
Hauptanteil am Gesamtprojekt in Höhe von 21% übernimmt und dass die
Gesamtverantwortung des Systems und der Hauptsitz des Industriekonsortiums
Galileo Industries nach Deutschland kommen. Außerdem habe die deutsche
Industrie das Vorschlagsrecht für den Chef des Industriekonsortiums
Galileo Industries und übernehme die industrielle Führung des
Raumsegments. Die erforderliche rechtlich verbindliche Umsetzung dieser
Regierungsvereinbarung auf Industrieebene wird gegenwärtig von dem
Industriekonsortium Galileo vorbereitet.
"Mit dieser Lösung können für Deutschland industrielle
Kernkompetenzen bei der künftigen Schlüsseltechnologie gesichert
werden", sagte der Bundesminister. Damit würden hochwertige
Arbeitsplätze erhalten bzw. neu geschaffen. Darüber hinaus, so erklärte
Stolpe, eröffne die Systemführerschaft der deutschen
Industrie die Chance beim späteren Aufbau und Betrieb von Galileo maßgeblich
mitzuwirken. Denn Errichtung, Betrieb und Vermarktung des Systems sollten
in einer öffentlich/privaten Partnerschaft durchgeführt werden. Hier lägen
derzeit noch nicht abschätzbare weltweite Marktpotenziale. Die
Bundesregierung gehe davon aus, dass die Entwicklung des Systems nun zügig
beginnen könne.
Die Grundlage für eine gute Ausgangsposition beim Aufbau von Galileo
sei für die deutsche Industrie geschaffen. Die Bundesregierung erwarte
nun umgekehrt ein massives Engagement der deutschen Wirtschaft. Die
innovativen Unternehmen in Deutschland seien aufgefordert, rasch
marktgerechte Produkte und Dienstleistungsangebote auf der Grundlage der
neuen Technologie zu entwickeln.
(Quellen: Telepolis, Deutsches Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und
Wohnungswesen)
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