Hochleistungs-Wetterspäher im All
Rund 25 Jahre nach dem Start des ersten Meteosat im November 1977 wurde
der erste Satellit der neuen Generation europäischer Wetterspäher auf
seine Umlaufbahn gehievt und schickt sich an, eine neue Dimension in der
Überwachung des Klimas unseres Planeten zu eröffnen. Am 28. August um
19.45 Uhr Ortszeit (00.45 Uhr MESZ) hob eine europäische Trägerrakete des
Typs Ariane-5 im Raumfahrtzentrum Guayana, dem Raumflughafen Europas in
Kourou (Französisch-Guayana) ab. Die zwei Nutzlasten, darunter MSG-1, der
erste Satellit aus dem Programm für die zweite Meteosat-Generation, wurden
in eine Übergangsbahn zum geostationären Orbit gebracht. In den kommenden
Wochen wird dieser Satellit mit Hilfe seines Bordtriebwerks eine Reihe von
durch Funkbefehle des Kontrollzentrums ESOC der ESA in Darmstadt
(Deutschland) ausgelösten Manövern ausführen, um auf seine
geostationäre Endbahn zu gelangen. "Die ESA ist stolz darauf, zu
einem Zeitpunkt, in dem die Staatschefs in Johannesburg über die
Voraussetzungen einer nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten
debattieren, für EUMETSAT und zahlreiche Nutzer einen Satelliten zum
Einsatz zu bringen, der es gestattet, die Wettervorhersage und das
Verständnis der sich abzeichnenden Klimaänderungen und der Problematik
der Wasserversorgung auf der Erde zu verbessern", erklärte José
Achache, der Direktor für das Erdbeobachtungsprogramm der ESA.
MSG-1 wurde von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) im Auftrag von
EUMETSAT, der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer
Satelliten, entwickelt und von der Firma Alcatel Space Industries unter
Mitwirkung eines aus über 50 europäischen Unternehmen bestehenden
Konsortiums gebaut.
EUMETSAT wird MSG-1 Ende
September nach der Überprüfung seiner Systemeübernehmen
und die erforderlichen Abnahmetests zum Nachweis der Funktionsfähigkeit
der Nutzlastinstrumente durchführen. Ende Oktober dürfte der Satellit das
erste Wetterbild zur Erde senden. Etwa ein Jahr nach dem Start soll MSG-1
seinen Dienst über dem Schnittpunkt zwischen dem Nullmeridian und dem
Äquator aufnehmen, wo er Meteosat-7 als Hauptsatellit für die Wetter- und
Klimawacht ablösen wird.
Er ist wie Meteosat 1 bis 7 ein zylindrischer Satellit, mit 3,22 m
Durchmesser und 3,74 m Höhe aber zweieinhalb Mal so groß. Seine Masse
beim Start betrug rund 2 t, wovon fast die Hälfte auf den für die Bahn-
und Lageregelung während seines siebenjährigen Betriebs notwendigen
Treibstoff entfiel.
Das MSG-Programm soll den Erfolg der Meteosat-Missionen mit
leistungsfähigeren und genaueren Instrumenten für die kontinuierliche
Beobachtung der Erdatmosphäre bis zum Jahr 2014 fortsetzen. Die
MSG-Satelliten treten damit die Nachfolge ihrer Vorgänger Meteosat 1 bis 7
an, die seit einem Vierteljahrhundert eine ununterbrochene Versorgung mit
den für das Verständnis und die Modellierung des Klimas auf unserem
Planeten unerläßlichen Daten gewährleisten.
Die Nutzlast von MSG-1 umfaßt zwei Hauptinstrumente: die Radiometer SEVIRI
und GERB. Das Bildaufnahmegerät SEVIRI (Spinning Enhanced Visible &
Infrared Imager) liefert alle 15 Minuten (statt wie bisher alle halbe
Stunde) ein Bild der vom Satelliten beobachteten Erdhalbkugel in zwölf
verschiedenen Wellenlängenbändern des sichtbaren und Infrarotbereichs,
d.h. in viermal mehr Bändern als die bisherigen Meteosat. Diese
Erweiterung des Beobachtungsspektrums stellt im Hinblick auf die
Verbesserung der numerischen Wettermodelle einen bedeutenden Fortschritt
dar. Dank der Verkürzung der Bildabstände von 30 auf 15 Minuten können
Klimatologen und Meteorologen zudem die Entstehung von sich rasch
entwickelnden Phänomenen wie Gewitter, Schneestürme und Nebelbänke sehr
viel früher erkennen. Bei einer Auflösung am Boden von 1 statt 2,5 km im
sichtbaren Licht lassen sich selbst örtlich begrenzte Vorgänge erfassen
und verfolgen.
Das Radiometer GERB (Global Earth Radiation Budget) liefert äußerst
wertvolle Daten über die Strahlungsbilanz der Erde, d.h. über das
Verhältnis zwischen der Menge der auf unseren Planeten einfallenden und
der zurückgestrahlten Sonnenenergie. Dieser bisher noch nicht genau
bekannte Faktor spielt bei der Entwicklung des Klimas auf unserem Planeten
eine entscheidende Rolle.
Darüber hinaus führt MSG-1 eine Nutzlast mit, die die Meßdaten
automatischer Bodenstationen sammelt und nahezu in Echtzeit weiterleitet.
Ein gesonderter Transponder dient zur Übertragung der Notsignale von See-,
Luft- und Landfahrzeugen, die mit einer Bake des internationalen Such- und
Rettungssystems COSPAS-SARSAT ausgerüstet sind.
Auf MSG-1 werden zwei baugleiche Satelliten folgen, deren Kosten und
Betrieb voll von EUMETSAT übernommen werden. Der Start von MSG-2 ist
gegenwärtig für Anfang 2005 und der von MSG-3 für das Frühjahr 2009
vorgesehen. Zur Fortsetzung des Programms nach 2014 wird der Bau eines
vierten Satelliten in Betracht gezogen.
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