NEUE MISSION FüR ASTRONAUT NICOLLIER
Nichts ist verloren für Claude Nicollier
Der Waadtländer Astronaut wird dieses Jahr nicht fliegen. Aber er wird zu den Sternen zurückkehren! Besser noch ... es könnte gut sein, dass er innerhalb der nächsten drei Jahre ein Rendez-vous mit Hubble haben wird.

XAVIER DORMOND

Bild: AFPClaude Nicollier, der - nach Thomas Reiter, Jean-Pierre Haigneré und Jean-Loup Chrétien - als vierter europäischer Astronaut, im Dezember 1999, einen Weltraumspaziergang unternommen hat, hat seinen Status als aktiver Astronaut von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) bestätigt bekommen. Das bedeutet, dass die ESA, der der 57-jährige Schweizer Astronaut angehört, der NASA eine hübsche Summe für die Aufrechterhaltung seines Trainings bezahlt. Ein Training, das der Waadtländer in den amerikanischen Anlagen von Houston, den Simulatoren und an Bord der Trainingsflugzeuge T-38 täglich verfolgt. »Also sind meine Chancen, dass die ESA mich in den nächsten drei Jahren für eine fünfte Mission auswählt, gut«, kommentiert Claude Nicollier, der künftig dem kleinen Club jener Astronauten angehört, die über 1'000 Stunden im Orbit verbracht haben. »Die ESA hätte mich gerne auf einer Mission zur Raumstation ISS. Die NASA, auf der anderen Seite, könnte es vorziehen, mich auf eine neue Wartungsmission zum Hubble-Teleskop zu schicken, mit einem oder mehreren Weltraumspaziergängen«, fügt der Astronaut und Astrophysiker, der eine echte Leidenschaft für das Weltraumteleskop hegt, hinzu. Eine logische Wahl, angesichts der Erfahrung, die sich Claude Nicollier bei den beiden Hubble-Wartungsmissionen 1993 und 1999 angeeignet hat, aber sie deckt sich nicht ganz mit den Interessen der Europäer.

Kein Flug dieses Jahr

Der Astronaut widerspricht dem Artikel des LeMatin vom Montag. »Der Weltraum ist nicht vorbei für mich«, versichert er. Sicher, der Waadtländer wird dieses Jahr nicht fliegen. »Mit dem Entscheid, mich 2002 nicht fliegen zu lassen, hat die ESA einfach eine andere Priorität gesetzt: Christer Fuglesang fliegen zu lassen, einen schwedischen Astronauten, der seit 1992 darauf wartet, dass er an der Reihe ist. Das steht ihm wirklich zu. Aber niemand in der ESA hat mir zu verstehen gegeben, dass ich meine Aktivitäten als Astronaut einstellen werde«, erklärt er. Was nun das politische Phänomen betrifft, von dem Claude Nicollier im Interview mit LeMatin gesprochen hat, so wurde es gefolgert aus der Formel, die die ESA für die Auswahl der Kandidaten für das europäische Astronautenkorps angenommen hat und die vor einigen Jahren in Kraft getreten ist. Dieser Auswahlmodus teilt jenen Ländern, die die grössten finanziellen Beiträge am Budget der ESA leisten, - Frankreich, Italien und Deutschland - 3/4 der Plätze zu, wodurch der letzte Platz den zwölf anderen Mitgliedsländern übrig bleibt. »Es ist nichts Unrechtes an dieser Prozedur, und die Idee, das negativ zu finden, liegt mir fern! Diese Aufteilung ist übrigens das Resultat der Integration der nationalen Astronautenteams von Frankreich, Deutschland und Italien in das Astronautenkorps der ESA 1999, was unsere Gruppe auf positive Art verstärkt hat. Diese Aufteilung muss in Zukunft übrigens nicht beibehalten werden. Die nächsten Auswahlverfahren werden wie die vorherigen auf der Kompetenz der Kandidatinnen und Kandidaten basieren, was allen Bewerberinnen und Bewerbern, inklusive jener der kleinen europäischen Staaten, gerechte Chancen geben wird«, präzisiert Claude Nicollier.

Mehr Astronauten

Peter Creola, Chef des Büros für Weltraumangelegenheiten in Bern und Vertreter der Schweiz bei der ESA, hat keine Zweifel:»Wenn Claude Nicollier dieses Jahr nicht fliegt, dann weil die ESA ihn für die wichtigen Arbeiten freihalten kann, die ihm im aktiven Astronautenkader der NASA vor der Erteilung einer neuen Mission anvertraut worden sind«, erklärt er. »Das bedeutet also nicht, dass er nicht mehr fliegt. Im Gegenteil, er hat grosse Chancen - und das hoffe ich lebhaft - an einer neuen Mission teilnehmen zu können.« Und hinzugefügt:»Die ESA hat eine zu kurzsichtige Finanzpolitik, und sie unterschätzt die Wichtigkeit regelmässiger Flüge. Wir müssen mehr machen, aber wir stellen nicht genug Geld zur Verfügung, um unsere Astronauten fliegen zu lassen. Das Europa des Weltraums braucht ein robustes Astronautenkorps, das mindestens einen Repräsentanten von jedem Mitgliedsland umfasst. Zur Stunde ist das nicht der Fall ... aber das wird kommen!«

(Übersetzung: Ivo Cassani)